The Worlds Book 2014 #1 - Wie wird man Weltmeister?

Ole
Written By OleAug 2, 2014

Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2014 in Washington, D.C. haben die Card Leaders Turnierergebnisse analysiert, ihre Erfahrungen zusammengetragen und an ihren Decks gearbeitet. Eine Zusammenfassung ihrer Arbeit stellt dieses "Worlds Book" dar, welches 31 Seiten umfasst und hier im Card Leaders Underground-Bereich in Auszügen veröffentlicht ist. Im ersten Teil geht es um die Worlds im Allgemeinen und im die Ergebnisse internationaler Meisterschaften.

Wie wird man Weltmeister?

Wenn ich wüsste, wie man Weltmeister wird, dann wäre ich es wohl mittlerweile schon. Ein nahezu fehlerfreies Turnier zu spielen und dabei in den entscheidenden Momenten mehr Glück als Pech zu haben gehört sowieso dazu. Aber man kann insbesondere in der Vorbereitung noch einiges tun, um im Turnier erfolgreich abzuschneiden.

Die Ergebnisse früherer Weltmeisterschaften zeigen: Am Ende setzt sich häufig ein Deck an die Spitze, was zuvor bereits das Format dominierte und nun optimal an das veränderte Metagame angepasst wurde.

Im letzten Jahr wurde Jason Klaczynski mit Darkrai-EX / Sableye Weltmeister. Er wusste, dass es bei einem langen Turnier vor allem darauf ankommt, dass das Deck konstant gut läuft. Deshalb verzichtete er auf jeglichen Schnickschnak - und hatte dabei Glück, dass er dabei beispielsweise vom Autoloss-Matchup Klinklang verschont blieb.

Im Jahr zuvor schaffte es Igor Costa mit Darkrai-EX / Mewtwo-EX / Terrakion - ein schnelles, dominantes und schlagkräftiges Deck mit Vorteilen im Darkrai / Mewtwo-Mirror.

Magnezone / Emboar und The Truth waren 2011 eine Art Ausnahme, da das Format sich in der Saison noch vor den Worlds änderte. Aber weiter in der Liste finden wir Luxchomp in 2010, Beedrill in 2009, Gardevoir in 2008. Bei den Juniors und Seniors gewannen zwar teilweise andere Decks, aber das Prinzip ist gleich. Einige Grundsätze lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten:

1. Spiele eine dominante Strategie!
Ein Siegerdeck darf dem Gegner zu keinem Zeitpunkt Luft zum Atmen lassen. Von Beginn an muss man der Spieler sein, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückt - sei es mit schnellen und starken Angriffen oder einem unausweichlichen Lock. Optimal ist es, wenn der gesamte Spielverlauf ausschließlich vom eigenen Deck abhängt. Bei Ross Cawthons "The Truth"-Deck um Reuniclus und Vileplume war das der Fall - der Lock stand immer früher oder später, unabhängig davon, was der Gegner machte. Darkrai-EX und Luxchomp verfolgten ein eigentlich simples Ziel: in jedem Spiel sechs Preise ziehen, bevor es der Gegner tut.

2. Teste die Konsistenz des Decks ausführlich!
Nichts ist frustrierender, als bei den Worlds wegen Bad Draw die entscheidenden Runden zu verlieren. Kaum eine Strategie ist so gut, dass sie häufiger schlechte Spiele ausgleichen kann. Auch im best-of-three Modus gelingt das nur selten. Deshalb sollte das Deck in möglichst vielen Testspielen gut laufen. Beim Online-Testen bin ich persönlich zufrieden, wenn ich nach 50 Spielen mit dem Deck noch immer das Gefühl habe, dass es ein gutes Deck ist.

3. Optimiere dein Deck punktuell und verzichte auf Krimskrams!
Man kann sein Deck nicht gegen jeden Gegner perfektionieren. In einem Format, wo das möglich wäre, gäbe es am Ende nur ein Deck - und am Ende wären es trotzdem alles Mirror-Matches, die nur bei 50-50 stehen. Ein schwaches Matchup gegen ein weniger häufig gespieltes Deck ist in Ordnung, wenn man dafür in den häufigen Matchups die Nase vorn hat.

4. Eher unerwartet als Standard!
Solange unerwartete Varianten eines Decks nicht schwächer sind als die Standard-Listen, würde ich stets die unerwarteten Varianten empfehlen. Dies können Listen mit eigenen Techs, speziellen Supporter-Lines oder anderen Trainerkarten sein. Jeder Gegner muss sich darauf neu einstellen, während man selbst bereits viel Erfahrung in Testspielen sammeln konnte. Das provoziert Fehler auf der gegnerischen Seite. Wichtig ist aber, dass man es dabei nicht übertreibt und die vorherigen Ratschläge weiterhin berücksichtigt.

Bei den Nationals ganz oben

Die Deutsche Meisterschaft 2014 wurde noch im alten Format NXD - XY gespielt, da Anfang Mai das folgende Set Flashfire noch nicht erschienen war. Damit fielen Karten wie Charizard-EX, Pyroar und M Kangaskhan-EX aus den Überlegungen heraus. Stattdessen entwickelte sich das Regionals-Format nun zu seiner finalen Form.

Yveltal-EX / Garbodor und Genesect-EX / Virizion-EX waren bei den Masters die mit Abstand erfolgreichsten Decks der Frühlings-Regionals und wurden deshalb wenig überraschend auch zur Deutschen Meisterschaft sehr häufig gespielt. Weiterhin schien es kaum möglich, einen geeigneten Counter gegen Virgen zu finden - Spiritomb LTR konnte das Deck ebenso wenig aufhalten wie beispielsweise Victini-EX zuvor. Während die anderen Decks noch immer nach einem Mittel gegen Virgen suchten, perfektionierten die Spieler dieses Decks ihre Listen immer weiter. Wichtig war es vor allem, eine gute Liste für das Mirror-Match zu haben. Von diesen sollte es dann tatsächlich einige geben: in den Top 8 waren fünf Genesect-Decks vertreten. Die jeweils einmal vertretenen Rayquaza-EX / Emboar, Yveltal-EX / Garbodor und Plasma verloren allesamt in den Top 8 gegen Virgen, sodass die kompletten Top 4 aus Genesect bestanden.

Wenig später fanden dann auch die ersten Nationals mit Flashfire statt. Doch anders als erwartet änderte sich zunächst kaum etwas am Metagame. Yveltal-EX / Garbodor und Virgen blieben die zwei Top-Decks, gefolgt von Plasma und vereinzelten guten Ideen wie beispielsweise Miltank / Greninja. Das hochgelobte Pyroar war zunächst nur selten in den Siegerlisten zu finden. Mega-Pokémon waren weiterhin kaum vertreten. Lediglich M Kangaskhan-EX wurde manchmal in Verbindung mit Aromatisse erfolgreich gespielt.

Die Tabelle auf der nächsten Seite zeigt, wie häufig die gespielten Decks die Tops in der Masters Division erreicht haben und wie weit sie dann gekommen sind. Die Datengrundlage stammt von thetopcut.net und wurde von doppelt aufgeführten Decks bereinigt sowie um die Ergebnisse aus Dänemark ergänzt. Sie enthält ausschließlich Ergebnisse von Nationals im Format NXD - FLF ohne die US Nationals.

Die Ergebnisse der internationalen Meisterschaften haben das Metagame bei den US Nationals offensichtlich beeinflusst. Fett hervorgehobene Decks waren auch in den Top 16 bei den US Nationals vertreten - mit einer Ausnahme sind dies alles Decks, die mindestens einmal die Top 2 einer Meisterschaft erreicht haben.

Hier sind die finalen Ergebnisse der US Nationals, zusammengesetzt aus den Informationen von pokemon.com und aus der Facebook-Gruppe Virbank City:

Pyroar / Charizard-EX war bislang kaum in Erscheinung getreten und hatte nun plötzlich seinen großen Auftritt bei den US Nationals. Decks, die darauf keine Antwort hatten, kamen aufgrund der großen Anzahl von Pyroar-Decks nur vereinzelt in die Top 16, wie jeweils einmal TDK und Genesect. Ebenfalls auffällig sind die drei Flygon-Decks, die jeweils unterschiedliche Strategien zu verfolgen scheinen. Miltank-Varianten waren auch bei den internationalen Meisterschaften ab und zu weit vorne, allerdings eher mit Empoleon oder Greninja als mit Flygon. Flygon / Accelgor verhielt sich hier ähnlich wie Charizard-EX / Pyroar zuvor, wurde jedoch deutlich seltener gespielt.

Interessant ist, dass mehrere Decks auf einem Roller-Skates-Engine basieren sollen - es liegen leider kaum originale Decklisten vor, aber zumindest das Charizard-EX / Pyroar-Deck beinhaltete eine Menge Flipkarten.

Um aus diesen Informationen die richtigen Schlüsse ziehen zu können, muss man genauer ins Detail gehen und analysieren, warum welches Deck bei welchen Nationals erfolgreich war. Oder andersherum - warum es nicht erfolgreich war.

In Dänemark habe ich fast keine Pyroar-Decks bei den ambitionierten Spielern gesehen, dafür aber eine Menge Yveltal-Decks, Plasma-Decks und ein paar Genesect-Decks. Die Franzosen waren wie so häufig etwas kreativer und haben offensichtlich viele Miltank-Varianten ausprobiert, von denen einige auch Erfolg hatten. Und in Tschechien bastelten die Janous-Brüder ihr Pyroar / Landorus-EX / Mewtwo-EX-Deck, mit dem sie Platz eins und drei erreichten und sich dabei in den Top 4 sogar gegenseitig im Weg standen.

Da die US Nationals ganz am Ende stattfanden, werden sich die Spieler aus allen Ländern auch an diesen Ergebnissen orientieren. Doch diejenigen, die bereits bei ihren nationalen Meisterschaften mit ihrem Deck erfolgreich waren, werden erfahrungsgemäß häufig bei ihrem Deck bleiben und versuchen, es an das zu erwartende Metagame anzupassen.

In vielen Fällen haben wir keine genauen Decklisten und können somit nicht sehen, wie eventuelle Techs oder Feinheiten in den Listen die Spiele entschieden haben könnten. Ich möchte im nächsten Kapitel aber auf alle Fälle die Decks vorstellen, die wir kennen. Dazu kommen Decks, zu denen ich durch die Ergebnisse der Meisterschaften inspiriert wurde.