"N'importe quoi!" - mein Bericht von den Herbst-Regionals in Paris

Ole
Written By OleNov 14, 2013

Paris, Frankreich. Selten hatte ich so spontan eine Reise angetreten. Bis eine Woche vor dem Wochenende wusste ich noch nicht einmal, dass in Paris zwei Regionals stattfinden. Dementsprechend schnell musste alles gehen: Flugtickets, Hotel, Transfer zu den Turnier-Locations. Air Berlin hatte mich am Samstag vor dem Aufstehen nach Paris-Orly gebracht. Dort war ich nun und suchte nach einem Taxifahrer, der mich verstand.

Mit der Metro hätte ich die Location wohl nicht rechtzeitig erreicht, weshalb ich mit dem Taxi fahren musste. Der erste Fahrer konnte wohl überhaupt kein Englisch - meine Französisch-Grundlagen reichten nicht aus, um zu verstehen, ob er mich nun fahren wollte oder nicht. Einige Minuten später hatte ich einen Fahrer gefunden und war auf dem Weg nach Nanterre.

Am Wochenende fanden zwei Regionals in Paris statt: eine am Samstag und eine am Sonntag. Die Chance auf maximal 300CP und eine Menge Preise. Außerdem waren es die ersten Turniere mit den neuen Regeln. Catcher benötigt einen Münzwurf und die Vorrunden werden im best-of-three Modus gespielt. Noch dazu erschien pünktlich zu den Turnieren Legendary Treasures mit den Reprints von Gothitelle, Energy Switch und Crushing Hammer.

Außer mir waren noch einige andere deutsche Spieler nach Paris gefahren, u.a. Marco, mit dem ich die Reise geplant hatte. Mein Top4-Trainer-Kollege David war auch dabei. Für Turniere außerhalb von Deutschland bekommen wir allerdings kein Sponsoring.

Inhalt

Regional Championships Nanterre, 09.11.2013

Meine Deckwahl fiel auf Blastoise - der Gedanke dahinter: erstmal abwarten und schauen, was die anderen machen.

1. Runde gegen Matthieu C (Empoleon/Dusknoir/Eeveelutions) - 0:1:0
Gleich vom Start weg wurde ich von Decks überrascht, mit denen ich mich bisher gar nicht befasst hatte. In den Tagen vor dem Turnier hatte ich zu wenig Zeit, um mich ordentlich vorzubereiten. Empoleon/Dusknoir stand deshalb gar nicht auf meiner Liste. David meinte vor dem Turnier, er spiele "einen Haufen", von dem er nicht wisse ob er funktionierte. Insofern war ich vorgewarnt, aber trotzdem nicht besser vorbereitet.
Empoleon/Dusknoir hatte ich selbst beim ECC 2013 in Arnhem gespielt. Das schlechteste Matchup für das Deck war damals Blastoise/Keldeo-EX/Mewtwo-EX, da man regelmäßig OHKOs hinnehmen musste, ohne dass man eine Antwort parat hatte. Ich war dementsprechend optimistisch, doch das Match verlief überhaupt nicht nach meiner Vorstellung.
Leafeon, der neue Tech gegen Keldeo, war gar kein allzu großes Problem - so weit kam es nämlich gar nicht. Im ersten Spiel konnte ich zwar Blastoise aufbauen, aber ich zog bis zum vierten oder fünften Zug keinen Attacker. Da Dusknoir schon auf dem Feld war und sich der Schaden häufte musste ich einsehen, dass ich chancenlos war - ich gab also auf und ging ins zweite Spiel.
Meine Starthand war katastrophal schlecht. Ich musste Keldeo-EX manuell aufbauen und konnte aus der Tatsache, dass das Deck meines Gegners auch eher langsam war, überhaupt keinen Nutzen ziehen. Wenn man dieses Tempo verliert ist es schwer, sich einen Vorsprung gegen Non-EX-Attacker zu erarbeiten, die die eigenen Pokémon onehitten oder zumindest twohitten können.

2. Runde gegen David C (Latias-EX/Victini-EX/Sigilyph) - 1:1:0
Dieses Match dauerte ewig, obwohl ich überhaupt keine Probleme mit dem Deck hatte. Es war nur recht nervig, immer den passenden Attacker gegen das jeweilige Pokémon aufbauen zu müssen. Nur Black Kyurem-EX konnte Latias-EX überhaupt angreifen und nur Blastoise konnte Sigilyph besiegen. Keldeo-EX war gar nicht zu gebrauchen. Da das Deck meines Gegners kaum Druck aufbauen konnte, durfte ich mir meine Attacker in Ruhe aufbauen und mit dem jeweils passenden Pokémon angreifen.

3. Runde gegen Herve G (Darkrai-EX/Dusknoir) - 1:1:1
Mir war klar, dass ich Jirachi-EX besser nicht hinlege, wenn ich gegen Dusknoir-Decks spiele. 90KP für zwei Preise sind zu billig. Allerdings kann man sich gegen schlechte Starthände leider nicht wehren.
Im ersten Spiel hatte ich also einen Jirachi-Start und große Mühe, mich aufzubauen. Mein Gegner brachte schnell Dusknoir und eine Menge Schaden ins Spiel. Als die Situation aussichtslos war gab ich auf.
Das zweite Spiel lief besser für mich. Es war auch recht knapp, aber am Ende war ich schnell genug, um sechs Preise zu ziehen. Das dritte Spiel war zu kurz, um einen Sieger zu bestimmen.

4. Runde gegen Gabriel F (Darkrai-EX/Sableye) - 2:1:1
Dieses Darkrai-Deck hatte kein Dusknoir, sondern Escape Rope und eventuell auch Catcher. Insgesamt war es ein einfaches Match für mich. Leider erinnere ich mich hier nicht an die Details aus den beiden Spielen.

5. Runde gegen Abdallah K (Landorus-EX/Mewtwo-EX/Garbodor) - 2:1:2
Dieses Match hätte ich unbedingt gewinnen müssen, um weiterhin eine Chance auf die Top 8 zu haben, doch ein Fehler am Ende des ersten Spiels brachte mich um den Sieg.
Da ich kaum Garbodor erwartete hatte ich vor dem Turnier den zweiten Tool Scrapper aus dem Deck herausgenommen. Das war eine gute Entscheidung - ein Tool Scrapper war komplett ausreichend für dieses Matchup. Man braucht zwei Züge, in denen man sich aufbauen kann, um sechs Preise zu ziehen.

Zwei Preise hatte ich schon ohne Tool Scrapper gezogen, weshalb es eigentlich noch leichter wurde. Ich spielte nun Tool Scrapper und baute Black Kyurem-EX auf, um ein Mewtwo-EX zu besiegen. Da ich die übrigen zwei Preise im kommenden Zug ebenfalls ziehen wollte, legte ich drei weitere Energien an Black Kyurem-EX. Das war aus zwei Gründen keine gute Idee. Erstens hätte mein Gegner einfach Garbodor opfern können, um mir für ein Black Ballista nur einen Preis zu geben. Zweitens machte ich Black Kyurem anfällig gegen Mewtwo.
Da ich noch Dowsing Machine übrig hatte, war es unnötig, sofort Energien anzulegen. Ich fürchtete mich allerdings vor N. Alternativ hätte ich Keldeo-EX aufpumpen können, doch mir fehlte eine Energie für 170 Schaden und ich hatte Angst vor einem Catcher. Mein Gegner nutzte seine Chance und spielte Scramble Switch, um genug Energien an Mewtwo-EX zu bekommen und Black Kyurem-EX zu besiegen.
Im zweiten Spiel lief es ungefähr genauso gut und diesmal machte ich keinen Fehler mehr. Das dritte Spiel endete im Timeout ohne einen Sieger.

6. Runde gegen Caroline R (Team Plasma feat. Lugia-EX) - 3:1:2
Das waren die wohl kürzesten zwei Spiele des Wochenendes. Ich brauchte jeweils vier Züge, um 2:0 zu gewinnen. Setup Blastoise, Black Ballista, Black Ballista, Black Ballista. Meine Gegnerin konnte dagegen überhaupt nichts tun und da ihr Deck nur aus Pokémon-EX bestand, war das Match dementsprechend schnell vorbei.

Mit 3:1:2 war ich am Ende 18. und somit nicht unter den besten acht Spielern, die den Turniersieg ausspielten. Es waren auch keine anderen deutschen Spieler dabei. Empoleon/Dusknoir war stark vertreten und belegte am Ende die ersten beiden Plätze.

Marco und ich warteten die Tops nicht mehr ab und fuhren in die Pariser Innenstadt, um uns dort einige Sehenswürdigkeiten anzusehen. Nach einer Tour vom Triumphbogen vorbei am Eiffelturm zur Notre-Dame stiegen wir in den Zug Richtung Longjumeau, wo am Sonntag die zweite Regional stattfand. Dort vertraute ich einer Plasma-Liste, die ich in der letzten Woche etwas intensiver getestet hatte.

Regional Championships Longjumeau, 10.11.2013

1. Runde gegen Luca C (Darkrai-EX/Sableye) - 0:1:0
Gleich in der ersten Runde musste ich gegen Darkrai spielen. Mir war zwar bewusst, dass ich mit Plasma nicht das beste Matchup gegen ein recht häufig anzutreffendes Deck haben würde. Dafür wollte ich gute Chancen gegen die meisten anderen Decks haben, unter anderem Empoleon.
Luca war der erste meiner Gegner an diesem Wochenende, der sich tatsächlich auf Catcher verließ. Ich kam nicht richtig gut, aber auch nicht ganz schlecht ins Spiel. Gegen einen mächtigen Darkrai-Gegner konnte ich allerdings wenig machen. Die Catcher funktionierten auch gut genug. Ich verlor beide Spiele und startete wie am Tag zuvor mit 0:1 ins Turnier.

2. Runde gegen ? (Darkrai-EX/Virizion-EX) - 0:2:0
Diese beiden Spiele waren einfach nur schlecht. Ich gab das erste Spiel früh auf, weil ich mich überhaupt nicht aufbauen konnte. Mein Gegner spielte einen undurchsichtigen Mix aus allen möglichen Techs gemeinsam mit Darkrai-EX. Eigentlich hatte er nur einen Attacker und fünf Bench Sitter im Spiel. Vielleicht war es auch ein Hydreigon-Deck, wo ich das Hydreigon nicht zu Gesicht bekam.
Im zweiten Spiel brauchte er es jedenfalls auch nicht. Nachdem ich meinen ersten Preis gezogen hatte spielte er N und gab mir fünf Karten, mit denen ich bis zum Ende des Spiels nichts anfangen konnte. Ein Darkrai-EX zu besiegen hätte wohl in beiden Spielen zum Sieg gereicht.

3. Runde gegen Gabriel F (Darkrai-EX/Sableye) - 0:2:1
Nun fand ich mich am letzten Tisch wieder und durfte gegen einen meiner Gegner von gestern spielen. Er spielte immer noch Darkrai-EX mit Sableye, diesmal allerdings auch mit Crushing Hammer. Im ersten Spiel zog er nichts außer diesen, weshalb er sie immer wieder mit Sableye zurückholte und mir Energien wegnahm. Allerdings hinderte mich das nur wenig daran, mich aufzubauen und nach und nach die Sableyes zu besiegen. Nach 10 Minuten hatte ich das erste Spiel gewonnen.
Das zweite Spiel verlief ausgeglichener, da ich nicht so gut ins Spiel kam wie im ersten Spiel. Absol war nervig und Genesect-EX auf der Bank recht nutzlos. Es wurde am Ende auch mit der Zeit sehr knapp. Ein Catcher-Flip entschied das Spiel letztendlich für ihn. Über das "dritte Spiel" brauchen wir ja nicht zu reden.

4. Runde gegen ? (Landorus-EX/Mewtwo-EX/Garbodor) - 0:2:2
Dieses Match verlief ungefähr genauso wie das vorherige. Ich gewann das erste Spiel sehr einfach und schnell dank Kyurem. Dann ging es in ein extrem knappes zweites Spiel, welches ich wiederum wegen eines Catcher-Flips verlor. Ein Deoxys-EX auf der Bank hatte zu viele Energien und konnte von Mewtwo-EX besiegt werden. Ich hätte Zeit gehabt um die Energien per Rückzug abzulegen, aber der letzte Switch war mir diese Aktion nicht wert. Außerdem hätte ich dann gleichzeitig einen eigenen Attacker aufbauen müssen, um zu verhindern, dass Mewtwo-EX mehrere Züge Zeit hat den letzten Preis zu ziehen. Dieser Attacker wäre dann ebenfalls ein Ziel für Catcher geworden. Das dritte Spiel bedarf keiner weiteren Erläuterung.

5. Runde gegen ? (Team Plasma) - 1:2:2
Mein Gegner spielte sein erstes Turnier überhaupt und hatte dennoch mit einem ähnlichen Deck schon einmal öfter gewonnen als ich. Neben mir saß ein Spieler mit Zapdos-EX und Celebi-EX als Attacker, der ebenfalls einmal gewonnen hatte. Da fühlt man sich besonders gut mit 0:2:2.
Das Match war jedenfalls fast unangenehm einfach und mein Gegner machte überhaupt kein Geheimnis daraus, dass er ein absoluter Neuling war. Er verlor sein zweites Spiel durch Deckout nach einem Colress auf 10. Diese Win-Condition kannte er noch nicht.

6. Runde gegen ? (Genesect-EX/Virizion-EX) - 2:2:2
Zum Abschluss gab es den Sieg zum wenigstens ausgeglichenen Ergebnis, auch wenn ich damit nun sicherlich nicht zufrieden war. Das zweite Spiel war das kürzeste Spiel an diesem Tag.

Auch am zweiten Tag hat es für mich dementsprechend nicht für die Tops gereicht. Marco hingegen schaffte es mit einem Darkrai-Deck in die Top 4, wo er gegen den späteren doppelten Regionals-Sieger und dessen Empoleon-Deck ausschied.

Irgendwie anders, aber nicht unbedingt besser

Zugegeben, nach einem weniger erfolgreichen Wochenende bin ich natürlich insgesamt eher unzufrieden. Die Regeländerungen haben mich bisher kaum überzeugt. Ich denke, dass ich auch nach einem frustrierenden Wochenende objektiv genug bin, um die kritischen Punkte anzusprechen.

Pokémon Catcher habe ich am Samstag erfrischenderweise fast gar nicht gesehen. Die Spieler waren kreativ und entwickelten Ideen und Strategien, die es ihnen ermöglichten auf Catcher zu verzichten. Empoleon/Dusknoir ist ein Deck, welches besonders von den neuen Regeln profitiert und somit folgerichtig weit vorne mit dabei war. Am Sonntag hingegen habe ich besonders gegen Darkrai-Decks die unschöne Seite der Catcher-Änderung kennengelernt: Spiele nur wegen eines Münzwürfes zu verlieren ist extrem frustrierend.

Der "best-of-three"-Modus hat in seiner Form kaum geholfen, Bad Draw und Bad Luck auszugleichen und ihren Einfluss auf das Match-Ergebnis zu verringern. 50 Minuten sind zu wenig für drei Spiele, egal, wie schnell man spielt. Pokémon ist ein Spiel, bei dem man in einem Zug mehrmals sein Deck durchsuchen und regelmäßig mischen muss. Das braucht Zeit, die man kaum sparen kann, ohne gegen Regeln zu verstoßen. Nebenbei muss irgendwo auch Zeit für Überlegungen herkommen - es handelt sich doch um ein Strategiespiel!

In Speyer und Berlin geht es weiter

Für mich persönlich hoffe ich natürlich, dass die kommenden Regionals auf deutschem Boden besser laufen. Vielleicht hilft es, nun bereits einige Spiele im neuen Format und unter den neuen Bedingungen gespielt zu haben. Die Card Leaders berichten am Wochenende aus Speyer und eine Woche später vom Heimspiel in Berlin. Folgt uns auf Twitter und bei Facebook für aktuelle Zwischenstände und Coverage von den Regional Championships 2013!