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Countdown to Worlds: "Pokémon - das gibt es noch?"

erstellt von Ole am 14.07.2016

Der Hype um die neue Smartphone-App „Pokémon Go“ scheint in diesen Tagen keine Grenzen zu kennen. Während die ganze Welt die klassischen Monster in moderner Umgebung wiederentdeckt, sitzen die Card Leaders für die Vorbereitungen zu den Pokémon World Championships in San Francisco zusammen. Ole möchte hier versuchen, den Hype um „Pokémon Go“ und seine eigene Begeisterung für das Sammelkartenspiel zu erklären.


„Pokémon Go“ und die Pokémon-WM. Quelle: pokemon.com

Ganz ehrlich: Ich habe nicht damit gerechnet, dass das neue Handy-Spiel „Pokémon Go“ dermaßen einschlägt. Als langjähriger Pokémon-Fan bin ich auf vielen Websites aktiv, lese in Foren und unterhalte mich auf Turnieren mit anderen Sammelkartenspielern. „Pokémon Go“ war kaum dort kaum ein Thema. Ich hatte nicht das Gefühl, dass alle auf den Release hinfiebern.

Nun ist der US-Release eine Woche her und auch in Deutschland kann man das Spiel mittlerweile herunterladen. Und es ist überall – nicht nur in den Pokémon-Foren, sondern in Zeitungen, in Bus und Bahn, im Park, in der Uni und in allen sozialen Medien. Auf Facebook habe ich normalerweise kaum Pokémon-Themen in den Neuigkeiten. Jetzt dreht sich gefühlt jeder zweite Post darum. Wie entsteht dieser Hype?


In Berlin fährt Pikachu auch im Bus mit. Quelle: BVG auf Facebook

Was ist „Pokémon Go”?

„Pokémon Go“ ist ein kostenloses Spiel für Android und iOS, in dem der Spieler als Pokémon-Trainer durch eine auf echten Kartendaten basierte Welt laufen kann, um Pokémon zu fangen und Items zu finden. Und „laufen“ meint tatsächlich laufen, also mit den eigenen Füßen, nicht nur virtuell. Über GPS bestimmt das Spiel den eigenen Standort. An besonderen Orten und Sehenswürdigkeiten lassen sich Pokébälle und andere Gegenstände finden.

Die Spielidee wurde von der Firma Niantic mitentwickelt, welche eng mit Google verbunden ist und bereits im Jahr 2013 das populäre „Augmented-Reality“-Spiel „Ingress“ veröffentlicht hat. In diesem Spiele-Genre wird die reale Welt in das Spiel mit einbezogen – „Pokémon Go“ baut auf der bereits vorhandenen Datenbasis von „Ingress“ auf. Weltweit gibt es ca. fünf Millionen besonderer Orte, die in „Pokémon Go“ als Arenen und Pokéstops genutzt werden.


Eine Spielszene aus „Pokémon Go“.

Das Spielprinzip ist also nicht mehr ganz neu und die Pokémon, die 1999 nach Deutschland kamen, sind es definitiv auch nicht. Trotzdem sehe ich drei Gründe, warum diese Kombination so erfolgreich ist.

1. Pokémon kennt jeder. Der erste Pokémon-Hype ist knapp 15 Jahre her und wer heute zwischen 20 und 30 Jahre alt ist, wurde damals mit Sicherheit davon erfasst. Auch viele Kids von heute kennen Pokémon aus den Nintendo-Videospielen oder aus dem Fernsehen. Die Eltern der „ersten Generation“ von Pokémon-Fans sind heute ca. 50-60 Jahre alt, die Eltern der Jüngeren ca. 40. Es ist schwer, jemanden zu finden, der wirklich noch nie davon gehört hat.

2. Pokémon passt perfekt zum „Augmented-Reality“-Spielprinzip. Als Pokémon-Trainer in den Videospielen besteht die Aufgabe darin, in die weite Welt hinauszuziehen und alle Pokémon zu fangen. Bislang saß der Spieler dabei vor seinem Nintendo DS (oder dem klassischen Gameboy). Die Erweiterung auf die reale Welt, wie sie in „Pokémon Go“ realisiert wird, erscheint bei der Verfügbarkeit ausgereifter Technik vollkommen logisch.

3. „Augmented Reality“ wartet noch auf den großen Durchbruch. Die Technik wird in vielen Bereichen bereits eingesetzt, z. B. in der industriellen Fertigung oder in der Navigation und Simulation. Auch einige Spiele gibt es bereits, doch zumeist handelt es sich bislang um Experimente oder Gimmicks. Mit „Pokémon Go“ könnte das Genre einen großen Fortschritt machen.

Die Pokémon-WM in San Francisco

Während nun also auf der ganzen Welt Trainer mit ihren Smartphones auf Pokémon-Jagd sind, liegt der Fokus der Card Leaders momentan auf einem weiteren Highlight: im August finden in San Francisco die Pokémon-Weltmeisterschaften (kurz: Worlds) statt. Die Worlds finden jedes Jahr statt und werden in drei Disziplinen ausgetragen – im Videospiel mit dem eigenen Nintendo DS, im Sammelkartenspiel (TCG) und im Wii-Spiel „Pokkén“ (angelehnt an das Kampfspiel „Tekken“). Aus Berlin fahren sieben Sammelkartenspieler zur WM - das Preisgeld für den Weltmeister beträgt 25.000 US-Dollar.


Die deutschsprachigen Spieler bei den Worlds 2012 auf Hawaii.

Für mich sind es die fünften Worlds, seit 2012 war ich bei jeder WM dabei. Mir hat man damals gesagt, wenn ich einmal dort war, möchte ich danach immer wieder hin. Ich kann das nur bestätigen. Doch wie kommt man überhaupt zu einer Pokémon-Weltmeisterschaft?

Die Pokémon TCG WM ist ein „invite-only“-Event, d. h. man muss sich qualifizieren, um teilnehmen zu dürfen. Das gelingt im Laufe einer Saison durch die Teilnahme an Turnieren und das Sammeln von Championship Points (CP). Diese CP erhält man durch das Erreichen von Top-Platzierungen auf Turnieren. So erhält der Sieger eines „City Championship“ (sozusagen einer Stadtmeisterschaft) 50 CP. Für einen Sieg bei Regional Championships gibt es 150 CP, wobei auch die Plätze 2-8 jeweils etwas weniger CP erhalten. Für das Invite für die WM benötigt man in der höchsten Altersklasse 300 CP.

Die Turniere finden über das gesamte Jahr verteilt an verschiedenen Orten in Deutschland und Europa statt. Bis auf die nationalen Meisterschaften und die WM sind alle Turniere offen, sodass jeder überall teilnehmen kann. Für den Sieg bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel gab es dieses Jahr neben einigen Sachpreisen außerdem 500 Championship Points.


2016 fand die Deutsche Meisterschaft in Kassel statt.

Wozu aber 500 Championship Points, wo man doch nur 300 für die WM benötigt? Ein Invite mit 300 CP berechtigt zwar zur Teilnahme, jedoch muss der Spieler seine Reisekosten tragen. Steht man jedoch in der europäischen CP-Rangliste unter den besten 22 Spielern seiner Altersklasse, übernimmt der Veranstalter Flug und Hotel zur WM. In der vergangenen Saison waren für eine Top-22-Platzierung ca. 1000 CP notwendig. Die neue Saison 2016/17 beginnt bereits im Juli.

Wenn nun das ganze Jahr über Turniere stattfinden, warum müssen wir dann für die WM nochmal extra trainieren? Das liegt daran, dass sich das Spiel alle drei Monate durch den Release neuer Karten verändert. Es kommen regelmäßig neue Karten hinzu und am Ende der Saison werden alte Karten für Turniere gesperrt. Dadurch verändert sich innerhalb eines Jahres das Gesicht des Spiels mitunter erheblich. Es erscheinen neue starke Karten, aber auch bereits vorhandene Karten können plötzlich in neuen Strategien stärker werden.


So sieht ein typisches Pokémon-Deck aus.

Zu einem Turnier tritt man mit einem festen Deck aus 60 Karten an, die man vorher aus den eigenen Karten zusammengestellt hat. Manche Decks und Strategien sind besonders stark und beliebt, aber es gibt auch immer wieder Überraschungen. Untereinander haben die Decks Stärken und Schwächen gegenüber anderen Decks. Es ist für jedes einzelne Turnier eine neue Herausforderung, das eigene Deck so auszuwählen, dass man gegen die anderen Teilnehmer im Turnier im wahrsten Sinne des Wortes „gute Karten“ hat.

Wo kann man das Pokémon TCG ausprobieren?

Wer nun Lust bekommen hat, nach einem „Pokémon Go“-Spaziergang auch mal in das Pokémon-Sammelkartenspiel reinzuschauen, dem kann ich folgende Tipps geben:

Pokémon TCG Online – Das Sammelkartenspiel lässt sich auf dem PC, Laptop, Tablet und Smartphone auch online gegen virtuelle oder echte Spieler spielen. Mit dem eigenen Account lassen sich Karten sammeln und tauschen sowie Decks bauen und damit bei Turnieren antreten. Hier kann man das Spiel kostenlos herunterladen.

Live-Übertragungen auf Twitch – Die größten Pokémon-Turniere werden live auf der Gaming-Plattform Twitch übertragen. Zu den US-Meisterschaften – in diesem Jahr mit weit mehr als 1.000 Spielern das größte Pokémon-Turnier aller Zeiten – wurde drei Tage lang von der ersten Runde bis zum Finale professionell gestreamt und live kommentiert. Der Pokémon-Channel ist unter twitch.tv/pokemon zu finden. Wenn es gut läuft, seht ihr einen von uns vielleicht auch im Stream!

Der Andere Spieleladen in Berlin – Jeden Mittwoch treffen sich in Berlin-Prenzlauer Berg zwischen 10 und 20 Spieler zur Pokémon Liga im „ASL“, dem Zuhause der Card Leaders. Hier geht es ganz locker zu – wer kein Deck hat und die Regeln nicht kennt, kann sich ein Deck ausleihen und sich das Spiel erklären lassen. Es kostet keinen Eintritt und es gibt sogar kleine Teilnahmepreise. Hier findet ihr den Anderen Spieleladen auf Facebook.


Card Leaders‘ Pichu ist unser Team-Maskottchen.

Card Leaders‘ Pichu – Und zu guter Letzt ein bisschen Werbung in eigener Sache: auf unserer Facebook-Seite „Card Leaders‘ Pichu“ sowie auf Instagram berichten wir regelmäßig von Turnieren in Deutschland und Europa und jedes Jahr auch von der WM. Näher dran am Geschehen geht es kaum mehr - wir freuen uns sehr über neue Follower!


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